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  • Schweißtechnologie Kolumne

    Handschweißen neu gedacht: Flexibel, digital, sicher

    Veröffentlicht am 15/01/26
Name des Unternehmens
AMADA Schweiz
Submitted by benoit.cantin on Do, 15.01.2026 - 11:51

Eine Kolumne von Peter Fronius
Head of System Solutions / Fronius International GmbH

Contenu
  • Peter FroniusHandschweißen bleibt auch in Zeiten von Automatisierung und Cobots ein unverzichtbarer Bestandteil der metallverarbeitenden Industrie. Die Gründe liegen auf der Hand: Kein anderes Verfahren bietet so viel Flexibilität – ob in kleinen Werkstätten, auf Baustellen oder im industriellen Schichtbetrieb. Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Jede Naht muss perfekt sein, Normen und Dokumentationspflichten nehmen zu, und der Fachkräftemangel verschärft die Situation zusätzlich.

  • Was bedeutet das für die Zukunft des Handschweißens?

    Ich sehe vier wichtige Themenfelder:

    1. Einfache Bedienbarkeit und intelligente Assistenz

    Fortis_Display-FroniusViele Schweißfachkräfte wünschen sich Geräte, die unkompliziert funktionieren – nach dem Motto „Weniger ist mehr“. Gleichzeitig gibt es Spezialistinnen und Spezialisten, die maximale Vielfalt und individuelle Freiheit schätzen. Die Lösung liegt in Systemen, die beides können: intuitive Bedienung für Neulinge und erweiterte Funktionen sowie individuelle Einstellmöglichkeiten für Profis. Vordefinierte Kennlinien und Schweißparameter-Assistenten (Wizards) helfen dabei, die optimale Auswahl zu treffen, Fehler zu vermeiden und die Qualität zu sichern – selbst wenn die Erfahrung (noch) fehlt.

    2. Flexibilität und Zukunftsfähigkeit
    Anforderungen an Unternehmen ändern sich schnell. Moderne Systeme müssen robust, langlebig und zugleich modular erweiterbar sein, um mit den Anforderungen zu wachsen. Hochentwickelte Multiprozess-Schweißsysteme gewinnen deshalb an Bedeutung, weil sie Unternehmen erlauben, mit einem Gerät verschiedene Aufgaben zu bewältigen – von WIG- über MIG/MAG- bis hin zu E-Hand-Schweißen.

    3. Digitale Unterstützung und Qualitätssicherung
    Die Digitalisierung ist längst im Handschweißen angekommen. Sie erleichtert die Dokumentation, ermöglicht Schweißdatenanalyse und daraus abgeleitete Verbesserungen und unterstützt beim Anlernen neuer Mitarbeiter/-innen. Funktionen wie digitale WPS-Dokumente, gesicherte Zugangsberechtigungen oder Schritt-für-Schritt-Anleitungen dank Weld Sequencing sorgen für Qualität und Effizienz. So wird Wissen auch direkt im Gerät verfügbar – ein entscheidender Vorteil in Zeiten des Fachkräftemangels.

    Aber auch das Erlernen des Schweißhandwerks wird heute dank KI/AR- Unterstützung zu einem modernen, sicheren und ressourcenschonenden Erlebnis. Ein Großteil der Handfertigkeit wird auf hohem Niveau im virtuellen Raum erlernt und danach in der Praxis perfektioniert. 

     4. Gesundheitsschutz – Sicherheit für alle Sinne

    Schweißen ist ein Beruf, der alle Sinne fordert: Hitze, Licht, Rauch und Lärm begleiten jeden Arbeitsschritt. Umso wichtiger ist es, Schweißfachkräfte umfassend zu schützen – nicht nur vor offensichtlichen Gefahren wie Verblitzen oder Verbrennungen, sondern auch vor Feinstaub und Rauchpartikeln.

    Moderne persönliche Schutzausrüstung geht weit über den klassischen Helm hinaus: Smarte Schweißhelme mit automatischer Abdunkelung und Bluetooth-Anbindung passen sich in Echtzeit an das Schweißsystem an. Frischlufthelme mit integrierter Gebläsefiltereinheit sorgen für saubere Atemluft, während Absaugschweißbrenner und mobile Absauganlagen unmittelbar beim Schweißvorgang ein Maximum der Schadstoffe eliminieren – wie Studien in Zusammenarbeit mit führenden Instituten belegen. Auch die Ergonomie beim Schweißen ist ein zentraler Punkt. Mit entsprechend gestalteten Schweißbrennern oder Kugelgelenken bei Schlauchpaketen kann die Schweißfachkraft entlastet werden. All diese Lösungen zeigen: Gesundheitsschutz ist heute technisch auf höchstem Niveau und trägt entscheidend dazu bei, dass Schweißer/-innen gesund und leistungsfähig bleiben.
     

  • Und die Technik?

    PW_Application_W_PIC_Velo_welderInnovationen wie adaptive Drahtzuführung beim WIG-Schweißen oder mechanische Assistenzsysteme für MIG/MAG zeigen, wie sich Präzision und Geschwindigkeit steigern lassen – bei gleichzeitiger Entlastung der Schweißer/-innen.

    So führt beispielsweise ein neuer Assistent beim MIG/MAG-Schweißen die Fachkraft – ähnlich einem Spurhalteassistenten – mit zusätzlichem Draht, konstanter Geschwindigkeit und gleichbleibendem Abstand entlang der Nahtkante.

    Mit solchen Assistenten werden perfekte WIG-Sichtnähte oder präzise lange MIG/MAG-Nähte, komplexe Geometrien sowie Zwangslagen deutlich einfacher zu bewältigen.
     

  • Fazit

    Handschweißen entwickelt sich weiter – nicht als Konkurrenz zur Automatisierung, sondern als deren Ergänzung. Mit intelligenten, vielseitigen und digitalen Lösungen bleibt es auch künftig ein Schlüsselprozess für Qualität und Wirtschaftlichkeit. Ebenso wichtig ist der umfassende Gesundheitsschutz: Moderne Technologien und ergonomische Lösungen sorgen dafür, dass Schweißfachkräfte nicht nur effizient, sondern auch sicher und gesund arbeiten. Entscheidend ist, dass die Technik den Menschen unterstützt – nicht umgekehrt.

Peter Fronius