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Interview mit der Firma BFT GmbH

Interview mit der Firma BFT GmbH

20/12/2016 | Allemagne

Interview auf der EuroBLECH mit dem Herrn Trieb, Geschäftsführer der BFT GmbH.

Die BFT GmbH präsentiert Ihre besondere SERVOTRON Pumpe, die einiges an Vorteilen bietet.

Metal-Interface: Herr Trieb, vielen Dank für die Einladung zu Ihrem Pressetreffen!

BFT GmbH: Gerne.

Metal-Interface: Könnten Sie zu Beginn Ihr Unternehmen präsentieren sowie Ihre Haupttätigkeiten vorstellen?

BFT GmbH: Sicher. Die BFT GmbH ist der größte europäische Hersteller von Hochdruckpumpen für Betriebsdrücke von 2.000 bis 12.000 bar. Damit man sich so hohe Drücke vorstellen kann: 12.000 bar entsprechen dem Druck am Boden einer 120 km hohen Wassersäule.

Metal-Interface: Wie sieht die Kundengruppe aus, die Ihre Produkte erwerben?

BFT GmbH: Unser Hauptgeschäft liegt im Bereich Wasserstrahlschneiden. Dabei liefern wir zu 99 % an Systemlieferanten, sogenannte OEMs, Original Equipment Manufacturer. Das sind meist Hersteller von Wasserstrahlschneidanlagen. Wir konzentrieren uns nur auf die Hochdrucktechnik, das heißt Hochdruckpumpen, Verrohrungssysteme, Schneidköpfe und Abrasivdosiersysteme.

Metal-Interface: Vertreiben Sie Ihre Produkte nur in Deutschland oder auch in anderen Ländern?

BFT: Deutschland ist sicher einer unserer wichtigsten Märkte. Wir vertreiben aber weltweit, weil wir eben durch unsere Systemlieferanten diesen weltweiten Zugang haben. Unsere Partnerfirmen liefern dann unsere Hochdruckprodukte mit Ihren Schneidanlagen an die Kunden in den jeweiligen Ländern.

Metal-Interface: Sie selbst haben jetzt keine weiteren Niederlassungen im Ausland?

BFT GmbH: Doch, wir haben eine Firma in Dubai und in Moskau betreiben wir eine Repräsentanz. Vertretungen unterstützen uns in Indien und in China. Auch in den USA sind wir mit einer  Schwesterfirma vertreten, bei der wir Ersatzteile lagern und ausgebildete Servicetechniker haben. Und sonst eben weitere nicht firmengebundene Vertretungen in weiteren Ländern.

Metal-Interface: Könnten Sie uns noch etwas zu Ihrer Unternehmensgröße sagen?

BFT GmbH: Wir als BFT GmbH haben derzeit 42 Mitarbeiter und gehören zur Dr. Aichhorn Group, die insgesamt 900 Mitarbeiter hat, bei einem Umsatz von etwa 200 Millionen Euro.

Metal-Interface: Haben Sie bestimmte Ziele für die kommenden Geschäftsjahre?

BFT GmbH: Wir sind zwar bereits der größte europäische Hersteller von Hochdruckpumpen, wollen aber unsere Marktposition am Weltmarkt noch wesentlich ausbauen. Für dieses Geschäftsjahr haben wir den Verkauf von 300 Pumpen geplant. Wobei dieses Geschäftsjahr bei uns Ende März 2017 endet.

Metal-Interface: Konnten Sie für das aktuelle Geschäftsjahr schon eine Bilanz ziehen?

BFT GmbH: Im Moment liegen wir absolut im Plan. Wir sind aufgrund unseres Produktportfolios sehr gut aufgestellt und haben auch eine spezielle Pumpe, mit der wir ein Alleinstellungsmerkmal am Markt haben. Das ist unsere SERVOTRON, wobei SERVOTRON ein geschützter Markenname von uns ist. Es ist eine Hochdruckpumpe mit einem hochdynamischen Servoantrieb, die mehr als 24 %  energieeffizienter ist als konventionelle Hochdruckpumpen.

Metal-Interface: Das ist ein neues Produkt, das Sie gerade raus gebracht haben?

BFT GmbH: Genau! Das Produkt steht hier auf der Messe. Normalerweise verwendet man für derartige Hochdruckpumpen einen Asynchronmotor mit konstanter Drehzahl, der eine regelbare Hydraulikpumpe antreibt. Wir haben das etwas umgedreht. Wir verwenden einen Servomotor mit einer Zahnradpumpe, die über die Änderung der Drehzahl mehr oder weniger Öl fördert und damit wird mehr oder weniger Druck am Druckübersetzer erzeugt. Und der Vorteil ist, wenn das Schneidventil geschlossen wird, dann steht der Motor und verbraucht somit keine Energie. Und das ist einer der Gründe, warum diese Pumpe energieeffizienter als konventionelle Pumpen arbeitet.

Metal-Interface: Beschäftigen Sie sich auch mit der Forschung und Entwicklung?

BFT GmbH: Natürlich. Wir haben einen Mitarbeiter, der explizit für Forschung und Entwicklung zuständig ist. Weitere 3 Mitarbeiter aus der Konstruktion sind da auch mit eingebunden. Aber das ist immer so fluktuativ und es ist eben so, dass Sie im Bereich Produktentwicklung eben einmal mehr und einmal weniger zu tun haben. Wie in den meisten Bereichen ist es auch in der Hochdrucktechnik aber sehr wichtig, dass Sie permanent an der Weiterentwicklung von Produkten arbeiten, um nicht den Anschluss am Markt zu verlieren. Längere Standzeiten und kostengünstigere Fertigung, das sind die Dinge, mit dem jeder andere Bereich auch kämpft.

Metal-Interface: Wenn wir jetzt Ihre Mitbewerber einmal anschauen. Was macht Ihr Unternehmen besonders, gegenüber Ihren Mitbewerbern?

BFT GmbH: Ich würde sagen, wir haben alles im Haus. Das heißt Forschung und Entwicklung, Konstruktion und Fertigung und Service. Alles, was eben mit Hochdrucktechnik zu tun hat, fertigen wir wirklich exklusiv in unserem Firmenverbund. Wobei, wir als BFT eigentlich ein Montage- und Servicebetrieb sind und unsere Schwesterfirma BHDT, aus der wir entstanden sind, erledigt für uns die CNC-Fertigung. Das erfolgt an einem zweiten Standort, der circa 35 km von uns entfernt liegt. Wir entwickeln und konstruieren und unsere Kollegen fertigen für uns. Wir glauben, dass wir technologisch auf jeden Fall führend sind. Auch unsere patentierte Servotechnologie, wo wir im Moment ein Alleinstellungsmerkmal haben, ist ein Zeichen dafür. Die Tatsache, dass wir ein Privatunternehmen sind und nicht ein Großkonzern macht uns sicher schlagfertiger und flexibler als Großunternehmen.

Metal-Interface: Wenn wir jetzt etwas allgemeiner werden: Wenn ein Unternehmen vorhat, eine Wasserstrahlanlage zu erwerben, welche Fragen muss es sich dabei stellen?

BFT GmbH: Es gibt sehr viele Bereiche, in denen der Wasserstrahl zur Anwendung kommt. Das Erste was Sie sich fragen müssen, ist, was will ich überhaupt schneiden. Für einen Lohnschneider soll die Anlage eben so flexibel wie möglich sein. Wenn eine Firma, die für ein spezielles Produkt eine Lösung mit dem Wasserstrahl sucht und sagt sie hätten Platten mit 160 mm zu schneiden, dann kann das relativ einfach sein und es gibt auch eine große Anzahl an guten Schneidanlagen am
Markt. Als zweite Frage, das Investitionsvolumen. Was will ich an Anlage haben und was kann ich dafür ausgeben? Das ist eine ganz wichtige Sache! Wenn Sie nur 100.000 € zur Verfügung haben, werden Sie sich keine Fünfachsanlage, mit einer Arbeitsfläche von 3 mal 6 m, kaufen können. Die Einstiegssumme für eine zweieinhalb oder dreiachsige Anlage liegt bei etwa 100.000 – 120.000 €. Wenn es dann in den dreidimensionalen Bereich geht, dann können schnell mal 150.000 Euro oder bei entsprechender Ausstattung und mit dem Zubehör auch schon einmal 300.000 Euro anfallen.
Zuletzt stellt sich noch die Frage, ob ich auch das geeignete Personal für den Betrieb und die Wartung der Anlage zur Verfügung habe. Hat man nur flache Materialien zu schneiden oder muss man auch in die dritte Dimension denken? Man darf nicht nur die Investition berücksichtigen, sondern man braucht eben auch das geeignete Personal. Ein 2D-Gerät ist von der Programmierung her relativ einfach zu handhaben. 3D ist da schon komplizierter, weil Sie einen Bediener brauchen, der ein gutes, räumliches Vorstellungsvermögen hat. Ich würde sagen, diese drei Sachen sind die wichtigsten. Danach kann ich mich mal auf den Markt begeben und schauen, wer was anbieten kann. Es gibt ja sehr viele qualifizierte Anbieter, auch im Bereich der Schneidanlagen und Hochdruckpumpen.

Metal-Interface: Bieten Sie Ihren Kunden dann auch bei der Auswahl einer Wasserstrahlschneidanlage, in Verbindung mit einem Ihrer Hochdruckpumpe Hilfestellungen?

BFT GmbH: Selbstverständlich. Ich persönlich habe den Vorteil, dass ich bereits seit 37 Jahren auf dem Markt tätig bin. Wir haben 1979 von null begonnen, mit dem Wasserstrahlschneiden. Bis 1986 haben wir auch komplette Schneidanlagen gebaut. Die Führungssysteme haben sich natürlich wesentlich verändert. Aber der Wasserstrahl an sich, was ich damit schneiden kann, eigentlich nicht. Mitte der 80er Jahre ist auch das Wasserabrasivstrahlschneiden dazugekommen und dadurch ist der Markt explosionsartig aufgegangen. Mit reinem Wasserstrahl kann man Kunststoffe, Leder, Papier und Lebensmittel schneiden. Mit dem Abrasivstrahl aber kann man außer Diamant, Korund und Sicherheitsglas, eigentlich alles schneiden und das bis zu einer Materialdicke von etwa 300 mm. Und das eben mehr oder weniger effizient, mehr oder weniger schnell. Wir haben seinerzeit auch Schneidanlagen mit Robotern und Schneidtische gebaut. Da wissen wir genau, um was es geht und da kann man die Kunden auch entsprechend beraten. Wobei unsere Expertise natürlich jetzt die Hochdrucktechnik an sich ist.

Metal-Interface: Können Sie vielleicht Problemstellungen in diesem Technikbereich schildern?

BFT GmbH: Der größte Knackpunkt beim Wasserstrahlschneiden ist die relativ langsame Schnittgeschwindigkeit im Vergleich zu anderen Schneidverfahren. Wenn Sie zum Beispiel ein Edelstahlblech mit 15 mm hernehmen, das kann ein Plasmastrahl mit circa 1.500 mm/min schneiden. Mit dem Laserstrahl funktioniert das noch mit etwa 1.000 mm/min und der Wasserstrahl liegt bei 150 mm/min. Das heißt, im Vergleich zum Plasmastrahl ein Zehntel der Geschwindigkeit. Der absolute Vorteil des Wasserstrahls liegt aber im kalten Schnitt. Das heißt, ich habe keine Temperaturbeeinflussung des Materials und eine saubere Schnittkante. Beim Plasma- oder Laserstrahl hat man meist Gratbildung an der Unterkante oder die Schnittfläche ist vielleicht nicht sauber genug. Das gibt es beim Wasserstrahl nicht. Das sind seine wesentlichen Vorteile. Das Startloch im Material kann der Wasserstrahl auch selber schneiden, im Gegensatz zum Plasmastrahl zum Beispiel, bei dem man einen gewissen Durchmesser für das Startloch berücksichtigen muss. Der Wasserstrahl ist so umweltfreundlich wie das Material, das er schneidet. Wobei, wenn Sie zum Beispiel Asbest schneiden, werden die Asbest-Partikel mit dem Wasserstrahl mitgerissen und im  Wasser gebunden. Sie brauchen also keine Angst zu haben bezüglich Silikose. Das ist nur dann  gefährlich, wenn es wieder auftrocknet. Der Wasserstrahl an sich reißt die Partikel, die er schneidet, mit und damit hat es sich erledigt. Damit können Sie auch gefährliche Dinge schneiden und es gibt zum Beispiel auch Anwendungen zum Entsorgen von Granaten. Das Verfahren an sich ist sehr umweltfreundlich. Sie haben Wasser, Sand und Luft. Bezogen auf das Volumen besteht der Strahl  aus 90% Luft, 3% Abrasivmittel und 7% Wasser. Der Wasserabrasivstrahl ist im Prinzip feuchte, schmutzige Luft, mit der umweltfreundlich geschnitten werden kann.

Metal-Interface: Ich danke Ihnen für dieses interessante Interview!