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Interview mit dem Unternehmen Strack Norma GmbH & CO. KG

Interview mit dem Unternehmen Strack Norma GmbH & CO. KG

20/12/2016 | Allemagne

Interview mit Herrn Müller, technischer Leiter, auf der EuroBLECH Messe 2016.

Strack Normalien präsentiert ihr großes Sortiment an Normteilen und erklärt aktuelle Veränderungen der Branche.

Metal-Interface: Vielen Dank für Ihre Zeit Herr Müller!

Strack: Sehr gerne!

Metal-Interface: Könnten Sie bitte damit beginnen, Ihr Unternehmen kurz vorzustellen? Was Sie
für Produkte anbieten?

Strack: Strack Normalien ist ein Hersteller von Normteilen für den Werkzeug- und Formenbau. Das heißt, die Werkzeugmacher produzieren bei dem Werkzeug nicht sämtliche Komponenten selber. Normteile wie Gasdruckfedern, Führungselemente, Säulen und Buchsen werden von uns in einer sehr hohen Präzision in großen Mengen hergestellt. Das bekommen die Werkzeugmacher nur unter hohem Aufwand hin. Dies schlägt sich natürlich auch im Preis nieder, als wenn ein Werkzeugmacher diese Bauteile selber produzieren würde. Wir haben mittlerweile 1580 Artikel in 300.000 Abmessungen in unserem Programm, die sich auf Formnormalien und Stanznormalien aufteilen. Das heißt, für jede Spritzgussform werden viele Normalien und Normteile gebraucht. Aktuell läuft derzeit die größte Kunststoff-Messe, die „K“ in Düsseldorf. Wir sind hier auf der EuroBLECH in Hannover. Hier stellen wir die Produkte aus, die für den Stanz- und Umformtechnikbereich benötigt werden. Das sind Normteile, wie z. B. für kleinere und mittlere Werkzeuge aber auch für Großwerkzeuge für die Automobilindustrie. Eins unserer Kernprodukte sind Norm-Schieber für den Großwerkzeugbau in der Automobilindustrie.

Metal-Interface: Wie schaut Ihre Kundengruppe aus, die Sie mit Ihren Produkten ansprechen?

Strack: Wir haben einen sehr großen Kundenstamm, der 5000 kaufende Kunden beziffert. Wobei natürlich immer eine Differenz da ist zwischen sehr stark frequentierenden Kunden und Kunden, die nicht so häufig bestellen. Diese Kunden sind oftmals kleinere Werkzeugbauer. Es gibt circa 5000 Werkzeugbauer in Deutschland, von denen die meisten unter 20 Mitarbeiter haben.
Diese kleineren Werkzeugbauten produzieren oftmals im Kundenauftrag für größere Unternehmen. Hierbei existieren meist Lastenhefte, die den späteren Ersatzteilbedarf regeln. Zulieferer der Automobilindustrie, die sogenannten Tier- One-Supplier setzten auf gleichbleibende hohe Qualität und einen guten Service. Das heißt, wir haben einen sehr breit gestreuten Kundenkreis, sowohl bei den kleinen und großen Werkzeugbauten, Tier-One-Suppliern als auch den OEM's.

Metal-Interface: Haben Sie nur eine Niederlassung in Deutschland oder sind Sie auch weltweit vertreten?

Strack: Wir haben unseren Kernmarkt hier in Europa. Selbstverständlich arbeiten wir auch weltweit mit Niederlassungen und Vertretungen zusammen, wobei das Hauptlager und das Hauptproduktionswerk in Lüdenscheid, im Sauerland liegt. Früher gab es viele Standorte mit kleineren Lägern. Aber es passierte oft, dass aufgrund der hohen Produktvielfalt genau das gewünschte Produkt des Kunden nicht vorrätig war. Die heutigen logistischen Möglichkeiten unseres Zentrallagers haben dieses Problem gelöst und eröffnen dem Kunden kürzere Lieferzeiten.

Metal-Interface: Könnten Sie auch die Länder beispielsweise, in denen Sie auch ganz stark vertreten sind, neben Deutschland betiteln?

Strack: Zu dem Kernmarkt gehört, neben Deutschland, sicherlich ganz Europa. Besonders interessant für uns sind u. a. Spanien, Italien, Frankreich und Portugal. Aber auch der asiatische Markt ist ein stark wachsender Markt. Hier haben wir mittlerweile eigene Vertretungen und Niederlassungen. Es gibt zwar kein Zentrallager, aber wir können natürlich den asiatischen Markt direkt bedienen. Oft werden in Deutschland konstruierte Werkzeuge in China gebaut, wobei deutsche Vorgaben/Lastenhefte eingehalten werden müssen. Das heißt es werden Vorgaben gemacht, STRACK Normteile zu verwenden, damit auch hier der Ersatzteilbedarf abgedeckt werden kann. Das ist also schon ein wichtiger Markt für uns.

Metal-Interface: Sie sind ja jetzt auch schon global sehr gut aufgestellt. Haben Sie noch bestimmte Ziele oder Entwicklungen, die Sie anstreben?

Strack: Speziell für den Automobilbereich haben wir eigene Norm-Schieber entwickelt und seit 2009 im Programm. Sie setzen die Kraft der Presse in eine andere Wirkrichtung um. Um Karosserieteile fürs Auto, z.B. Türen, Seitenwände oder auch Motorhauben umzuformen oder zu stanzen, werden unsere Schieber benötigt. Mittlerweile werden die Tier-One-Supplier dazu angehalten in der Nähe der OEM-Werke zu produzieren, d. h. sich global aufzustellen. So ist es auch für STRACK NORMA wichtig mit eigenen Produktionsstätten im asiatischen Raum und im amerikanischen Raum präsent zu sein. Hierzu laufen die Planungen bereits.

Metal-Interface: Haben Sie ein neues Produkt, das Sie hier vorstellen und das Sie hier im Interview vielleicht präsentieren möchten?

Strack: Das erfolgreiche Programm der PowerMax Schieber wurde in diesem Jahr um eine preiswerte Variante ergänzt. Früher gab es in der Automobilindustrie 2 – 3 verschiedene Modelle je Hersteller. Heutzutage gibt es sehr viele Derivate, das heißt, die Stückzahlen gehen für die unterschiedlichen Modelle deutlich runter. Dafür werden allerdings sehr viele Werkzeuge benötigt. Bei all dem spielt der Preis eine Rolle. Deswegen haben wir einen Schieber entwickelt, der zwar die Leistungsfähigkeit eines hochwertigen Schiebers bietet, allerdings geringere Kräfte zur Verfügung stellt und deswegen preiswerter angeboten werden kann. Diesen stellen wir jetzt hier erstmalig dem Publikum vor.

Metal-Interface: Was zeichnet Sie denn, gegenüber Ihren Mitbewerbern aus?

Strack: Als wir 2009 den ersten Schieber produzierten, war die Basisanforderung ein Produkt mit einer größeren Toleranz zu liefern. Die Anpassung an das Werkzeug erfolgte später immer im Werkzeugbau. Mittlerweile existieren sehr viele verschiedene Fahrzeugderivate. Die Anzahl der Werkzeuge wird immer mehr und müssen alle den Werkzeugbau durchlaufen. Deswegen hat ein Umdenken stattgefunden. Die Schieber müssen in einem sehr engen Toleranzfeld gefertigt werden, um diese direkt im Werkzeug ohne Anpassungen verbauen zu können. Dies reduziert deutlich die Durchlaufzeit der Werkzeuge. Die von Kunden zur Verfügung gestellten CAD-Daten erlauben uns alle erforderlichen Bearbeitungen in den Schieber mit einzubringen.

Metal-Interface: Haben Sie möglicherweise schon Bilanz gezogen aus diesem Geschäftsjahr?

Strack: Das Geschäftsjahr 2016 hat etwas schwächer gestartet, konnte dann aber durch ein starkes zweites Quartal wieder aufgeholt werden. Wir können eigentlich eine sehr positive Bilanz dieses Jahr ziehen.

Metal-Interface: Wie ist Ihre Sicht auf die heutige Industrie? Spüren Sie Auswirkungen vom VW-Abgasskandal?

Strack: Das kann man noch nicht genau sagen. Diese Auswirkungen sind bislang noch nicht zu spüren. Natürlich gehört auch Volkswagen zu den Hauptkunden für unsere Schieber. Es werden mit Sicherheit noch Maßnahmen vonseiten des VWKonzerns getroffen werden, um Kosten zu reduzieren. Wie die Auswirkungen sein werden, werden wir abwarten. Wir haben aber mehrere Standbeine, sodass wir uns da global aufstellen können.

Metal-Interface: Investieren Sie auch in Forschung und Entwicklung?

Strack: Ich bin als technischer Leiter natürlich auch speziell für diesen Bereich zuständig. Wir sind ständig auf der Suche nach den neuesten Endwicklungstrends. Gerade im Hinblick auf den 3D-Druck, der momentan in aller Munde ist. Wir versuchen mit anderen Partnern bzw. mit Anwendern zusammen das Thema Industrie 4.0 zu erforschen, um herauszufinden, wie man die Problematik für den Werkzeug- und Formenbau umsetzen kann. Das ist nicht so einfach, weil die Produktionsmittel doch sehr starken Belastungen ausgesetzt sind. Zum Beispiel verfahren die Pressen mit sehr hohen Geschwindigkeiten und hohen Vibrationen, was zur Problematik in der Sensorik führt. Hier muss genau erfasst werden, welche Anforderungen der Kunden zukünftig abgedeckt werden müssen. Einige OEM's sind sehr weit in der Umsetzung, andere hingegen arbeiten noch so wie vor 10 Jahren. Das sind sehr unterschiedliche Wege, die angegangen werden müssen. Das ist aber noch Zukunftstechnologie.

Metal-Interface: Meine letzte Frage: Welche Probleme kennen Sie, die es jetzt in diesem Bereich gibt und die Sie vielleicht auch mit Ihren Produkten lösen?

Strack: Wie schon erwähnt, erhielten die Werkzeugmacher früher die Schieber als einfache Standardkomponenten und mussten die Einarbeitung auf der Arbeitsfläche der Schieber selbst vornehmen. Momentan simulieren wir bei uns im Haus einen Zustand der Presse unter Volllast und machen dann die vom Kunden gewünschte Einarbeitung, d. h. in dieser Situation sind alle Toleranzen und Kräfte, die auf das Bauteil einwirken, miteinbezogen. So ist klar, dass sich die Werte zwischen ausgebautem und eingebautem Zustand hierbei unterscheiden, da wir den Schieber für die Situation fertigen, in der er zum Einsatz kommt. Solche Technologien sind praxisnah und haben einen deutlichen Mehrwert für unsere Kunden.

Metal-Interface: Ich danke Ihnen für diesen Einblick in Ihren Tätigkeitsbereich!